Presse
06.04.2018, 15:06 Uhr | Pressebericht Potsdamer Neueste Nachrichten
Stempeln mit päpstlichem Segen
Die „Poste Vaticane“, die Bundeswehr und die US-Marines nutzen Frankiermaschinen made in Brandenburg
Wittenberge - Briefmarken zum Selberstempeln: Trotz wachsenden OnlineDatenverkehrs setzt ein Maschinenbauer in Wittenberge (Prignitz) auf Druckgeräte für Papierpost. „Physische Briefe haben ein seriöses offizielles Image“, sagt Kai Fliegner, Geschäftsführer der Francotyp-Postalia (FP) Produktionsgesellschaft mbH & Co. KG, und verweist auf eine Studie der schweizerischen Post. „Die Briefpost wird bleiben, weil sie Rechtssicherheit vermittelt“, meint Fliegner. Behörden, Militär, Kommunen, Gerichte, Versicherungen oder Arztpraxen nutzten für das Frankieren vertraulicher Sendungen Druckmaschinen.

Jeden Tag werden bundesweit 59 Millionen Briefe mit der Deutschen Post verschickt, wie Pressesprecher Jens-Uwe Hogardt in Hamburg sagt. Vor zehn Jahren waren es noch 72 Millionen täglich. Die Digitalisierung in der Bundesrepublik hinke der anderer europäischer Länder aber hinterher. So bleibe das Volumen der physischen Post derzeit stabil. Das Gros seien Geschäfts- und Behördensendungen und nur 15 Prozent Privatpost. „Der Papierbrief wird nicht aussterben“, sagt der Sprecher. In Deutschland seien 175 000 zertifizierte Frankiermaschinen diverser Hersteller registriert, die das Porto aufs Kuvert stempeln statt kleben.

Seit 2012 geht in Wittenberge die Post ab. Das Frankiermaschinenwerk der börsennotierten Francotyp-Postalia Holding AG Berlin zog aus Birkenwerder (Oberhavel) in das Elbestädtchen um. „Um die Jahrtausendwende lag der Industriestandort hier am Boden“, meint Wittenberges Bürgermeister Oliver Hermann (parteilos). Seither habe sich die Arbeitslosenquote im Kreis Prignitz auf acht Prozent halbiert. Das FP-Werk kam in einer alten Fabrikhalle unter, in der früher Konservendosen vom Band rollten und zuletzt eine Disco Pleite ging.

In Wittenberge beschäftigt FP heute mehr als 60 Monteure und Mitarbeiter in Einkauf und Logistik. Pro Jahr werden rund 35 000 Frankiermaschinen hergestellt und 300 000 Tintenkartuschen programmiert. FP gehöre zu den drei Großen der Branche weltweit, die Konkurrenz sitzt in den USA und Frankreich.

Der Konzernumsatz lag 2017 währungsbereinigt bei rund 208 Millionen Euro. Davon entfielen 127 Millionen Euro auf die Maschinen aus Wittenberge, wo auch die Zentralwerkstatt und der Ersatzteilversand angesiedelt sind. Mit den Brandenburger Portodruckern, die weltweit patentrechtlich geschützt sind, würden jedes Jahr Frankierungen im Wert von umgerechnet mehr als einer Milliarde Euro erzeugt. „Jede Frankatur ist ein Unikat, sie enthält wie der alte Poststempel auf der Briefmarke Datum, Ort, Seriennummer und kann dank bestimmter Sicherheitsmerkmale nicht kopiert und mehrfach verwendet werden“, erklärt Fliegner. „Das ist wie Geld drucken.“

Eine besondere Rolle spielt die Stempelfarbe, die ebenso strengen Sicherheitsanforderungen unterliegt, wie Fliegner betont. Die „postalisch zertifizierte“ Tinte dürfe bei Regen nicht verlaufen und müsse extrem abriebfest sein. Auch der Farbton sei jeweils genormt: Blau werde beispielsweise in den meisten europäischen Ländern für Portoaufdrucke verwendet und ein fluoreszierendes Rot beim „United States Postal Service“ – der US-Postbehörde.

Exportiert werde von Wittenberge aus in rund 50 Länder der Erde – von Schweden bis Südafrika, den USA bis Japan. Die Staatspost der Vatikanstadt „Poste Vaticane“ sei seit Jahrzehnten Stammkunde, sagt Fliegner. So stehe im Büro des Papstes heute ein Postporto-Stempler aus Brandenburg. Indische Finanzbehörden setzen „Steuerstempler“ für Zahlungsnachweise auf Verträgen und Bescheinigungen ein. „Gerichtskostenstempler“ kommen in Deutschland zum Einsatz, unter anderem im Landgericht Berlin, wie der Firmenchef berichtet.
Von Grit Büttner


Quelle: www.pnn.de/brandenburg-berlin/1272764/
aktualisiert von Steffen Dahnke, 09.04.2018, 15:11 Uhr
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