Presse
02.01.2018, 19:48 Uhr | Presseartikel der Märkischen Allgemeinen
Wittenberge - Elbestadt hat wieder eine Zukunft
Wittenberge. Auf ein sehr erfolgreiches Jahr kann die Stadt Wittenberge zurückblicken. Bürgermeister Oliver Hermann zieht im MAZ-Interview Bilanz des vergangenen Jahres und blickt auf die zu erwartenden Höhepunkte dieses Jahres.

Wittenberge ist Gastgeberstadt des Brandenburg-Tages 2018, dazu noch Kommune des Jahres 2017. Sind Sie am Ziel aller Wünsche?

Oliver Hermann: Das ist man ja nie. Aber es stimmt, 2017 war für Wittenberge ein sehr erfolgreiches Jahr: Die Vorbereitungen für den Brandenburg-Tag sind auf gutem Weg und die Auszeichnung als Kommune des Jahres gab noch einmal einen wichtigen Impuls.

Der vom Ostdeutschen Sparkassenverband vergebene Preis ist sicher gut für das Prestige der Stadt, aber was haben die Bürger davon?

Das muss man differenzieren. Wenn ich auf die Auszeichnung angesprochen werde, gibt es oft Bemerkungen, wie „Da gibt’s wohl richtig Kohle, oder?“ Aber darum geht es nicht, zumal ja kein Preisgeld damit verbunden ist. Die wichtigste Botschaft dieser Auszeichnung ist meiner Ansicht nach die Aussage: In Wittenberge haben wir wieder eine Zukunft.

Meinen Sie, dass die Bürger das ohne diesen Preis nicht wüssten?

Ich meine, der Wert dieser Auszeichnung ist doch vor allem ideell. Noch vor etwas mehr als zehn Jahren sagten die Eltern und Großeltern ihren Kindern und Enkeln „Wenn ihr etwas werden wollt, müsst ihr aus Wittenberge wegziehen“. Das ist jetzt nicht mehr der Fall. Der Preis macht deutlich, dass es sich lohnt, seine Zukunft zu Hause in der Prignitz zu gestalten, und dass diese Zukunft wirklich Chancen bietet.

Das klingt alles sehr positiv, aber mit gut bezahlten Arbeitsstellen sieht es noch immer nicht so toll aus. Oder sehen Sie das anders?

Sicher ist hier noch Luft nach oben. Auf der anderen Seite haben sich die materiellen Voraussetzungen doch sehr gut entwickelt. Wir hatten mal eine Arbeitslosenquote von mehr als 25 Prozent. Jetzt sind es noch knapp acht Prozent. Viele neue Arbeitsmöglichkeiten sind entstanden, allein im Industriebereich etwa 500 Arbeitsplätze in den letzten zehn Jahren. Und sicher kann man irgendwo hingehen, wo man besser verdient. Aber meist sind dort auch die Lebenshaltungskosten höher und oft fehlt das familiäre Umfeld, so dass man abwägen muss, ob einem die Heimat unterm Strich nicht doch mehr zu bieten hat.

Böse Zungen behaupten, Wittenberge komme aus dem Feiern gar nicht mehr heraus. Wie sehen Sie das?

Den Eindruck kann man vielleicht gewinnen, aber oft sind Feiern wie der Brandenburg-Tag in Wittenberge oder die Laga in Wittstock auch Meilensteine der Stadtentwicklung und sind mit immenser Vorbereitung verbunden. So gesehen sind die Erfolge hart erarbeitet. Das wirkt nicht zuletzt auch auf die Selbstwahrnehmung der Unternehmen am Standort zurück. Mit dem Wachstumskern-Prozess vor mehr als zehn Jahren ging es los, setzte sich mit den Elblandfestspielen fort und ist mit dem Brandenburg-Tag in diesem Jahr ja noch keineswegs abgeschlossen.

Apropos Wirtschaft. Nach einigen spektakulären Neuansiedlungen in den vergangenen Jahren scheint 2017 auf diesem Gebiet nicht so viel passiert zu sein. Teilen Sie diese Einschätzung?

Ganz und gar nicht: Klar, die ganz großen Neuansiedlungen hatten wir im vergangenen Jahr nicht, aber mindestens ebenso wichtig ist es doch, wie sich die bestehenden Unternehmen entwickeln und da war das Investitionsvolumen in diesem Jahr immens.

Können Sie einige Beispiele nennen?

Die mit Abstand größte Investition eines seit mehr als hundert Jahren in Wittenberge ansässigen Unternehmens war die der Deutschen Bahn in ihr Instandhaltungswerk Wittenberge. Mehr als 20 Millionen Euro sind nicht nur eine erhebliche Summe, sondern auch ein klares Bekenntnis zum Standort Wittenberge. Auch die Investitionen in der Alten Ölmühle seien hier erwähnt oder die Erweiterung der Produktionskapazitäten bei Austrotherm oder bei Frankotyp-Postalia. Dass dieses Geld auch der Allgemeinheit zugute kommt, sehen wir an den Gewerbesteuereinnahmen.

Bei allen Erfolgen und der Freude darüber, ist ja wohl doch nicht alles so gelaufen wie geplant. Wie sehen Sie die Entwicklung der Prignitz-Galerie?

Das ist sicher eine der unerfreulicheren Entwicklungen. Leider war es trotz aller Vermittlungsversuche der Stadt nicht möglich, eine Nachfolgeregelung für einen Nahversorger an diesem wichtigen Standort zu finden.

Woran ist es denn gescheitert?

Ich kann nicht auf Details eingehen, aber die Eigentümer hatten unter anderem Preisvorstellungen, bei denen die durchaus vorhandenen Interessenten nicht mitgehen konnten.

Und wie geht es nun weiter?

Es gibt für alles ein Zeitfenster, in dem Entwicklungen möglich sind. Das ist meiner Auffassung nach im Fall der Prignitz-Galerie schon fast zu. Die Stadt prüft daher Alternativstandorte, etwa im nördlichen Teil der Bahnstraße.

Auch in der Kitalandschaft gab es zum Jahresende weniger erfreuliche Entwicklungen. Wie bewerten Sie die Geschäftsaufgabe bei den Mernitz-Kitas?

Zunächst einmal bin ich froh, dass SOS-Kinderdorf als Träger eine neue Kita im Jugendklub „Würfel“ eröffnet und damit die Betreuung von 40 Kindern garantiert. Die übrigen 20 Kinder wurden in anderen Kitas untergebracht. Wir sind sehr für Trägervielfalt, aber beim Betrieb einer Kindertagesstätte kann nicht nur der wirtschaftliche Erfolg im Mittelpunkt stehen.

Wie sieht es mit dem Erwerb des Bahnhofs und dessen geplanter Nutzung aus?

Die Verhandlungen mit der Bahn zum Verkauf an die Wittenberger Wohnungsbaugesellschaft gestalten sich langwierig, aber ich rechne fest damit, dass wir Ende dieses, Anfang nächsten Jahres mit der Umgestaltung beginnen können. Wir wollen dann das Jobcenter, das Technologie- und Gewerbezentrum (TGZ), die Bibliothek und wichtige Einrichtungen für den Fremdenverkehr dort unterbringen. Dazu zählt auch Gastronomie.

Steht dann die Immobilie im Industriegebiet Süd leer?

Zunächst einmal ja, aber es gibt ja immer wieder Bedarf an Gewerbeimmobilien. Letztlich ist es eine Frage der Prioritätensetzung in der Stadtentwicklung. Und da ist die Innenstadt für TGZ und Jobcenter klar der bessere Standort.

Ist denn die Entwicklung des Einzelhandels noch „Chefsache“, wie Sie das vor ihrer Wiederwahl zum Bürgermeister erklärt haben?

Natürlich. Der stationäre Einzelhandel erwartet in den kommenden Jahren Rückgänge von 20 bis 30 Prozent. Das kann uns nicht egal sein. Ich will mich daher dafür einsetzen, dass beim Technologie- und Gewerbezentrum eine Stelle geschaffen wird, in deren Verantwortung es liegen soll, sich ausschließlich mit dem Einzelhandel zu befassen.

Was soll der- oder diejenige Mitarbeiterin denn gegen schrumpfende Umsätze im Einzelhandel unternehmen?

Natürlich kann ein Mitarbeiter so etwas nicht direkt beeinflussen. Aber die Kontaktpflege und der Erfahrungsaustausch mit erfolgreichen Vermietern könnten schon viel bewirken. Ich finde, wir müssen jede Möglichkeit zur Stärkung der Innenstädte nutzen.

Hat Wittenberge schon Pläne für die nächsten Höhepunkte?

Erst einmal wollen wir einen tollen Brandenburg-Tag ausrichten. Danach kann eine gewisse Erholungsphase mit weniger großen Ereignissen nicht schaden. Spätestens zur 725-Jahr-Feier im Jahr 2025 wird es wieder hoch hergehen.

Von Andreas König


Quelle: http://www.maz-online.de/Lokales/Prignitz/Elbestadt-hat-wieder-eine-Zukunft

aktualisiert von Steffen Dahnke, 08.01.2018, 19:50 Uhr
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