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Pressearchiv
13.07.2008, 21:50 Uhr | Prignitzer
Abgespeckte Demokratie
Politische Aufklärung fern ab seiner Heimatstadt Wittenberge leistete Gordon Hoffmann (CDU) kürzlich in Usbekistan und erfuhr ganz persönlich, wie dehnbar dort das Demokratieverständnis ausgelegt wird.
Nach den Diskussionen über Politik in Deutschland war der Prignitzer Gordon Hoffmann für die Teilnehmer des Seminars im usbekischen Ferghana ein kleiner Star und musste Autogramme geben. privat
WITTENBERGE/TASCHKENT - Auf Einladung der Konrad-Adenauer-Stiftung fuhr der stellvertretende Kreisvorsitzende in die zentralasiatische Republik. Thema seiner einwöchigen Reise war: "Die Rolle der politischen Parteien bei der Verteidigung der Interessen der Jugend".

Referate vor usbekischen Jugendlichen sollte Hoffmann halten, mit ihnen ins Gespräch kommen, offen diskutieren. Wie offen das möglich sei, erfuhr er gleich nach seiner Ankunft von seinen Betreuern: "Dein Hotelzimmer, deine Telefonate werden abgehört, deine E-Mails gelesen und in allen Veranstaltungen fallen dir Zivilisten auf, die jedes Wort mitschreiben", schildert Hoffmann, wie er gebrieft wurde. "Diese Worte waren verbunden mit dem sehr ernsten Hinweis, mich nicht provozieren zu lassen, keine Formulierungen zu wählen, die als Aufruf zu einer Revolte auslegbar wären", ergänzt der Jungpolitiker.

Vor etwa 60 Jugendlichen zwischen 14 und 23 Jahren sprach er. Knappe 20 Minuten blieben ihm für das umfangreiche Thema, bevor unzählige Fragen auf ihn einprasselten. "Für die Usbeken war unvorstellbar, dass ich als Kreisvorsitzender der Jungen Union selbstständig Pressemitteilungen herausgebe oder gar die Beschlüsse und Aussagen eines Ministers kritisiere."

Genauso staunten die Usbeken, dass die Jugendverbände in Deutschland oft andere Meinungen als ihre Mutterparteien vertreten. In Usbekistan gebe es zwar mehrere Parteien, aber in ihren Programmen finden sich kaum Unterschiede, so Hoffmann. Nur wer das politische System in dem Land kenne, könne diese Verwunderung richtig einordnen: "Nach allem was ich erfahren und erlebt habe, gibt es dort keine gelebte Demokratie, viel eher wird dieser Begriff allenfalls demokratisch ausgelegt."

Die einzig nicht staatliche Jugendorganisation nenne sich Kamelot, habe vier Millionen Mitglieder und sei aus den Komsomolzen hervorgegangen. "Finanziert wird sie aber vom Staat", sagt Hoffmann. Das erinnere schon sehr an die FDJ in der DDR.

Spontan bot Gordon Hoffmann zusätzliche Diskussionen in kleiner Runde am Abend an. Das wurde ihm zwar ermöglicht, aber offizielle Vertreter des Staates lenkten und steuerten auch hier das Gespräch. Ein richtig freier Gedankenaustausch sei so nicht entstanden.

Das gab es nur hinter vorgehaltener Hand, zum Beispiel in privater Runde mit Professoren. Vorsichtige Kritik äußerten auch Vertreter der Hilfsorganisation Unicef. Die medizinische Versorgung sei verbesserungswürdig, ebenso das Schulwesen.

"Ich selbst habe gesehen, das viel Geld in neue Hochschulbauten investiert wurde, aber noch fehlt es an Lehrkräften", sagt Hoffmann. Er habe Basare besucht, sei durch Taschkents Straßen geschlendert. Das monatliche Durchschnittseinkommen einer fünfköpfigen Familie liege bei 120 Euro. Zwar seien die Preise nicht mit denen in Westeuropa zu vergleichen, "aber auch wenn es in Taschkent fast alles zu kaufen gibt, kann sich das bei weitem nicht jede Familie leisten".

"Mit ist bewusst geworden, dass wir den Wert der Freiheit nicht hoch genug einschätzen können", so Gordon Hoffmann. Jederzeit würde er wieder in solche Regionen fahren, ehrenamtlich Vorträge halten, um "den Geist westlicher Demokratie" dorthin zu tragen. "Das alles aber ohne Überheblichkeit, denn auch bei uns ist längst nicht alles perfekt."
aktualisiert von Franziska, 27.01.2012, 12:01 Uhr